Grundsätze bei Gewalt an Kindern und Jugendlichen


Grundsätzliches

Auf Ihre Haltung kommt es an!

  • Nehmen Sie jeden Hinweis auf mögliche Gewalt ernst.

  • Körperliche und psychische Gewalt, sexuelle Übergriffe und Vernachlässigung unterscheiden sich in der Dynamik des Geschehens und in ihren Ursachen. Berücksichtigen Sie dies bei Interventionen.

  • Es gibt keine Patentrezepte, jede Situation ist für sich einzigartig.

  • Vermeiden Sie übereiltes Handeln.

  • Ein möglichst sorgfältiges Einschätzen der (Gesamt-)Situation und eine überlegte Interventionsplanung bilden die Grund- lage für adäquate Unterstützung der Betroffenen.

  • Eltern haben grossen Einfluss auf ihre Kinder. Die Stärkung elterlicher Kompetenzen hat daher zentrale Bedeutung.

  • Kindesschutz ist eine multidisziplinäre Aufgabe. Wirksamer Kindesschutz bedingt gegenseitige Wertschätzung und Kooperationsbereitschaft aller Helfenden.

  • Gehen Sie achtsam mit Ihren eigenen Grenzen um.

Zentrales

Kinder und Jugendliche im Blick behalten!

  • Kinder und Jugendliche sind entsprechend ihrer Entwicklung und Fähigkeiten in die Überlegungen und Entscheidungen einzubeziehen. Wichtig ist, sie über das Vorgehen zu informieren und ihre Rechte verbindlich zu beachten.

  • Seien Sie im direkten Kontakt mit den betroffenen Kindern/Jugendlichen, interessiert, respektvoll und offen.

  • Unnötige Beziehungsabbrüche von gefährdeten Kindern und Jugendlichen zu ihren Bezugspersonen sind zu vermeiden.

  • Stellen Sie das Wohl und den langfristigen Schutz der Kinder/Jugendlichen in das Zentrum aller Überlegungen und Handlungen.

Spezifisches

Richtig handeln!

  • Dokumentieren Sie alle wichtigen Hinweise und die Aussagen des Kindes bzw. des/der Jugendlichen möglichst wortgetreu und mit Datum. Unterscheiden Sie zwischen Fakten und Vermutungen. Halten Sie fest, aus welchem Anlass das Kind oder der/die Jugendliche etwas erwähnt hat und wie Sie reagiert bzw. gefragt haben.

  • Bleiben Sie nicht alleine, sondern arbeiten Sie – auch bei vagen Vermutungen – möglichst früh mit Fachpersonen und spezialisierten Fachstellen für Kindesschutz zusammen.

  • Es gibt Situationen, die sofortiges Handeln erforden, z. B. akute Bedrohung, Gefährdung, Sicherstellung von Verletzungsspuren oder bei übertragbaren Krankheiten. Veranlassen Sie entsprechende Sofort- massnahmen, z.B. Gefährdungsmeldung, polizeiliche Intervention, Notplatzierung, medizinische oder psychiatrische Behandlung.

  • Ein Gespräch mit der – vermutlich – gewaltausübenden Person ist in Zusammenarbeit mit einer spezialisierten Fachstelle sorgfältig vorzubereiten. Dies gilt auch für den Einbezug eines nicht gewaltausübenden Elternteils, insbesondere bei innerfamiliärer Gewalt.

  • Berücksichtigen Sie interne Leitlinien sowie Dienstwege und informieren Sie Ihre vorgesetzte Stelle über die aktuelle Situation und geplante Vorgehensweise.

  • Von allen Beteiligten ist ein verantwortungsvoller Umgang mit Informationen erforderlich. Allenfalls ist festzulegen, wer für die Informationsvermittlung zuständig ist und entscheidet wer, wie, wann, wen informiert.

  • Beachten Sie die rechtlichen Bestimmungen. Detailinformationen finden Sie in «Juristische Grundlagen» unter: www.kindesschutz.sg.ch

Ein Anruf genügt, um Hilfe zu holen.

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